Folag AG – Eine „lustige“ Geschichte

Vorweg: Lustig ist die Geschichte gar nicht, am 23.9.2015 stellt die neue Firmenleitung die Mitarbeiter frei. Je nach Quelle sind bis zu 145 Mitarbeiter betroffen.

Man habe bis zum Schluss gekämpft, ja sogar noch vor den Sommerferien an die Wende geglaubt. Darum sei wohl der Konkurs für viele überraschend. Seit 2011 kämpfe man aber bereits um den Erhalt der Firma. Die künstlich herbeigeführte Verknappung der Rohstoffe  und die immensen Preissteigerungen für dieselben in den letzten Monaten sei aber nun zum Todesstoss der Firma geworden. Dies in einer Zeit wo die Rohölpreise purzeln.

2014 hat man im Sommer noch das Aktienkapital von 100’000 auf 1’000’000 (Einkäufe bei  Fixamit AG / Progress Solutions AG) erhöht, im Juli 2015 hat man den Verwaltungsrat noch „umbesetzt“ mit Krapf Christian und Steiner Erich  (vorher Reto Senn /  Studer René )

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Die 1969 von Candid Burkart gegründete Firma, hat in der Schweiz einen sehr guten Namen. Sie stand für Qualität und Ehrlichkeit. Selber nennt sie sich einer der grössten Verpackungsfirmen der Schweiz. Jeder in der Schweiz benutzt meist unwissend, Produkte der Folag, deren Folien in fast allen Geschäften zu finden sind.

Die letzten Jahre….

Bereits mit jungen 30 Jahren übernahm Reto Senn die Firma.  Seit 2014 ist Erich Steiner der Geschäftsführer (Früher CEO bei Pavag Folien AG Nebikon).

2014 hat man dann die Sparte «Flexible Verpackungen» der  Pavag Folien AG aus Nebikon übernommen, die dort beschäftigten musste, sofern sie ihre Abreit behalten wollten, nach Sempach umziehen.  (Quelle und weiter Infos >>>)

Die Firma selbst stand im Jahre 1999 (30 Jahre-Jubiläum) als  lupenreines «KMUplus» Unternehmen da, so betitelte „Schweizerbank.ch“ diese Unternehmen.  Damals beschäftigte man noch 220 Personen.  Kostspielige Produktionen wurden dann aber rasch nach Vietnam ausgelagert. Ein Produktionsbetrieb in Deutschland wurde geschlossen.

Einst in Buochs (NW)  zuhause, produzierte man schlussendlich in Sempach LU und Burgdorf BE sowie in Vietnam.

Unter der Leitung von Reto Senn konnten die Mitarbeiter der Folag  bis Ende 2011 vom Erfolg der Firma profitieren. Die Folag galt als „sehr guter Arbeitgeber“ mit, für die Region, guten Löhnen und Arbeitsbedingungen.  Danach regierte ein enormer Preisdruck.

2011 bekam die Folag von economiesuisse – den Titel KMU des Monats

2012 berichtet die Sendung Einstein Spezial (ab 35:00) über die Folag.  die rund 300 Millionen Tonnen Plastik die Weltweit jährlich produziert werden (davon landen 60 Millionen Tonnen im Meer) machten Reto Senn Kopfzerbrechen. Sein Lösung Biokunststoff, fand grosse Beachtung.

2013 begannen die grossen Probleme, im Januar 2015 mit dem „neuen“ Eurokurs wurden diese nicht kleiner und man berichtete von 40 Entlassungen und seit  April 2015 kam noch der unheimliche und unverständliche gestiegene Rohstoffpreis dazu.

So berichtet die Luzernen Zeitung mit dem etwas irreführenden Titel

Rohstoffpreise im Keller

Allein zwischen März und Juli 2015 seien die Preise um 50 Prozent gestiegen, heisst es in der Mitteilung weiter. Dies sei in den letzten 50 Jahren seit Bestehen der Kunststoffindustrie noch nie vorgekommen.

Hinzu kam eine künstliche Verknappung, die dazu führte, dass nur noch ein Teil der für die Produktion benötigten Rohstoffe verfügbar waren. Dadurch konnte die Folag AG rund 25 Prozent der bereits vorhandenen Aufträge nicht mehr ausführen.

Stellt aber auch gleichzeitig die Äusserungen vom Frühling dieses Jahres in Frage

Am 16. Mai berichtete unsere Zeitung, dass 40 Stellen im Unternehmensbereich Baufolien in Sempach Station in Gefahr seien. CEO Erich Steiner sagte damals, dass die übrigen Mitarbeiter nicht um ihren Job fürchten müssen. «Sie stellen unter anderem biologisch abbaubare Folien her. In diesem Nischenmarkt sind wir sehr erfolgreich. Wir investieren darum auch in diesen Sparten: Den Ausbau an unserem Standort in Burgdorf führen wir wie geplant zu Ende», so Steiner.

Damals sei man noch auf der Suche nach einer Lösung gewesen (zusammen mit den Mitarbeitern). Es gab Mitte Mai noch keinen Grund einen Sozialplan auszuarbeiten, meinte „damals“ Erich Steiner. Bereits 2 Monate später brodelte es und nun 4 Monate später ist man Konkurs? Dies darf man schon Hinterfragen.

In Vietnam wird im Augenblick „noch“ weiter produziert.

Für rund 60 Mitarbeiter könnte es auch eine Lösung geben, den Gespräche zur Übernahme von Teilen der Produktion durch eine Auffanggesellschaft seien im Gang.

Leider findet sich nirgends eine Stellungnahme von Reto Senn. Leider….

So muss man sich doch ernsthaft Fragen was seit Juli 2014 bis Juli 2015 alles schief lief, oder ob es wirklich nur die angesprochenen Probleme waren.  Sich auf die Produktion von „Bio“-Folien zu beschränken, wenn man die Infrastruktur für mehr als 30% des Bedarfs an Verpackungsfolien in der Schweiz produzieren könnte, kann ja nicht die Lösung sein.

Schade, ein weiterer „fast“ Familienbetrieb schliesst so seine Tore.

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4 Antworten auf Folag AG – Eine „lustige“ Geschichte

  1. tolle geschichte was kommt da noch alles aus????? sagt:

    Tolle geschichte die noch nicht zu ende ist ????????

  2. Daniela sagt:

    Und wer steckt hinter laut nachgedacht?

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